[Rezension] „Mädchen aus Papier“ von Sina Flammang

„Der Tag an dem du merkst, dass deine Eltern nicht unfehlbar sind und nichts und niemand dich beschützen kann, ist der Tag an dem du erwachsen wirst.“ S.172

Sina Flammang greift in „Mädchen aus Papier“ viele wichtige Themen auf. Es ist eine Geschichte über das Erwachsenwerden, zu verstehen, dass nicht alles immer verläuft, wie man es sich wünscht und vor allem: Sich selbst zu akzeptieren!


Inhaltsangabe

Mari ist 3 Jahre alt, als ihre große Schwester Annika in einem Kaufhaus spurlos verschwindet. 12 Jahre später taucht diese überraschend wieder auf und stellt Mari’s sowieso schon chaotisches Leben auf den Kopf. Annika wird plötzlich alle Aufmerksamkeit zuteil und Mari fühlt sich immer mehr, als würde sie sich auflösen, nicht existieren. Sie beschließt abzuhauen und schnappt sich ihre Freunde Ole und Clementine um mit ihnen auf eine aberwitzige Reise nach Italien Ole’s verschwundenen Bruder zu suchen.

Meine Meinung

Mari ist eine typische Jugendliche, sie fühlt sich unverstanden von der Welt und vor allem ihren Eltern, trinkt Alkohol um „cool“ zu sein und ist andauernd von allem genervt. Ich konnte mit Mari leider so gar nicht warm werden, denn obwohl die Handlung aus Mari’s Perspektive in der Ich-Form erzählt wird, erlebt man nicht viel Einblick in ihre Denkweise. Was oder wieso sie etwas fühlt, wird oft nicht genauer erklärt und es fiel mir schwer ihren Gedankengängen und Handlungen zu folgen. Manche Situationen wirkten dadurch für mich etwas überspitzt und schwer nachzuvollziehen. Durch die gewählte Erzählperspektive wurde auch der Einblick in die anderen Charaktere erschwert und oftmals habe ich mich einfach nur gewundert, was in deren Köpfen eigentlich vorgeht. Vor allem mit Annika hatte ich meine Schwierigkeiten. Ich meine ja, ok, für sie ist es bestimmt auch nicht einfach, nach all den Jahren wieder zurück zu ihrer „Familie“ zu kommen, die doch viel mehr erstmals Fremde sind. Ich hab mich jedoch öfters gefragt, ob sie tatsächlich verrückt ist? Ich hätte mir wirklich gewünscht, dass wir mehr über Annika und ihre Vergangenheit erfahren.

„Ich will weglaufen, aus dem Fenster klettern, die Türe hinter mir zuknallen. Die Welt hat plötzlich ihre Konturen verloren, und ich will, dass sie sich wieder scharf stellt.“ S.65

Ein wichtiges Element in der Handlung ist die „Therapiegruppe“ zu der Mari regelmäßig muss, für Kinder, deren Geschwister verschwunden oder verstorben sind. Dabei empfindet Mari kaum Traurigkeit, da sie immer das Gefühl verspürt, bloß den Ersatz für ihre große Schwester zu spielen. Als Annika dann doch wieder auftaucht, glaubt Mari, dass es keinen Platz mehr für sie gibt und verschließt sich immer mehr vor ihren Eltern und Freunden, bis sie es irgendwann nicht mehr aushält. Die im Klappentext angesprochene Italienreise kommt dabei meiner Meinung nach viel zu kurz, ich hatte eher erwartet, dass sie ein Hauptpunkt in der Handlung darstellt.

Das Lesen an sich fiel mir perönlich etwas schwer. Ich musste mich erstmal daran gewöhnen, dass das Buch im Präsens geschrieben ist, da die meisten Bücher ja eher in der Vergangenheitsform erzählen. Zudem nutzt Sina Flammang vor allem in den Dialogen viele typische Jugendworte und Anglizismen. Clementine’s Lieblingsspruch zum Beispiel ist „No risk, no fun!“. Am Anfang etwas gewöhnungsbedürftig, man findet sich aber doch recht schnell ein. Durch den doch sehr umgangssprachlichen Schreibstil wird zudem sehr schön die Authentizität des Jugendbuches unterstrichen, es fühlt sich viel realer an, die Dialoge wirken mehr wie aus dem echten Leben und nicht gestellt.

„Familie ist ein Konstrukt, mit dem wir uns selbst vorgaukeln, einen sicheren Platz im Leben zu haben. Aber nichts ist sicher.“ S. 171

Die einzelnen Kapitel sind relativ kurz gehalten und zeigen Momentafnahmen aus Mari’s Leben. Oftmals befindet man sich im nächsten Kapitel, an einem ganz anderem Ort, einige Tage später. Man erfährt meist nur in knappen Erzählungen in Mari’s Gedankenwelt, was in der Zwischenzeit passiert ist. Das kann manchmal etwas verwirrend sein, da man sich erstmal wieder in das Geschehen einfinden muss. Meist kann man sich jedoch ziemlich schnell zurecht reimen, was in der Zwischenzeit passiert ist und man verliert nicht direkt den Überblick.

Fazit

Insgesamt ist „Mädchen aus Papier“ ein interessanter Jugendroman. Es werden viele wichtige Themen aufgegriffen, vielleicht jedoch ein paar zuviele. So ist leider nicht genug Platz in der Handlung das gesamte Spektrum darzustellen. Es lässt sich leicht und flüssig lesen und die dargestellten Dialoge wirken wie aus dem echten Leben. Wer etwas leichtes für nebenbei sucht liegt mit Sina Flammang’s Jugendroman auf jeden Fall richtig!

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Danke an den cbt Verlag für das Rezensionsexemplar.


Sina Flammang – Mädchen aus Papier

Verlag: cbt

Erscheinungsdatum: 20.03.2017

ISBN: 978-3-570-16460-0

Seiten: 352

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