[Rezension] „The Girl Before“ von JP Delaney

Nachdem ich in letzter Zeit viel Young Adult und Romane gelesen habe, wurde es endlich mal wieder Zeit für einen Thriller. Ich bin schon seit meiner Jugend ein eingefleischter Thriller-Fan und vor allem Autoren wie Simon Beckett, John Katzenbach und Cody McFayden haben es mir angetan. Umso ausgefallener und spannender die Idee, umso mehr kann man mich begeistern. Dabei mag ich besonders gerne Thriller, in denen der Protagonist eben mal nicht beim FBI oder CIA ein Sonderermittlungskommando befehligt und einer der besten seines Faches ist. Sondern in denen ein Mensch, der genauso unwissend wie ich ist sich aus einem Schlamassel retten muss. Damit war „The Girl Before“ ja schon fast wie für mich gemacht.

Inhaltsangabe

Jane hält es nach einem tragischem Verlust nicht mehr in ihrer Wohnung aus. Auf der Suche nach einem neuen Zuhause trifft sie auf einen mysteriösen, reichen Architekten, der eine Art Schutzbunker mit allerlei technischen Innovationen vermietet. Doch um dort wohnen zu dürfen, muss sie ihr altes Leben hinter sich lassen und sich an jede Menge, teils extreme, Regeln halten. Genau was Jane sucht, ein neuer Abschnitt, der sie vergessen lässt und somit willigt sie ein. Was sie jedoch nicht weiß… Ihre Vormieterin ist in diesem angeblichen Schutzbunker auf äußerst unerklärliche Weise ums Leben gekommen. Und sie war wie ein Ebenbild von Jane selbst.

Meine Meinung

Die ersten 200 Seiten konnte mich „The Girl Before“ einfach nicht für sich gewinnen. Ich hatte Schwierigkeiten damit, nachzuvollziehen, warum zum Teufel jemand in solch einem Haus wohnen wollen sollte. Das Haus spielt eine zentrale Rolle und mir fiel es einfach nicht leicht zu akzeptieren, dass sich das jemand freiwillig antun würde. Die Regeln sind absurd und dienen in meinen Augen lediglich dazu Monkfords Persönlichkeit zu unterstreichen. Monkford ist äußert minimalistisch und verlangt von seinen Vermietern ebenso zu wohnen. Es darf keine Deko geben, keine Sachen dürfen rumliegen NICHT MAL BÜCHER SIND ERLAUBT! Ich kann es einfach nicht nachvollziehen. Ich liebe meine Deko, brauche Kissen und Kuscheldecken auf meinem Sofa und mein BÜCHERREGAL! Was würde ich ohne mein Bücherregal tun? Niemals dort einziehen!

Nachdem ich dann einfach versucht habe auszublenden, dass ich mir das niemals freiwillig antun würde, habe ich versucht mich mehr auf die restliche Handlung zu konzentrieren. Und was soll ich sagen? Am Anfang langweilte es mich. Mir war relativ schnell klar, in welche Richtung sich die Story entwickeln würde und leider auch wer der Mörder ist. Es war so offensichtlich, wie der Autor versucht, den Leser auf eine falsche Fährte zu locken, dass es schon fast klischeehaft gewirkt hat. Wer sich ein wenig in dem Genre auskennt, kennt die Tricks die dem Leser vorgegauckelt werden sollen. Und genau davon war auch ich überzeugt. Das ich nicht hinters Licht geführt werden könnte. Und was soll ich sagen? FALSCH GEDACHT! Die letzten 100 Seiten war ich mir plötzlich gar nicht mehr so sicher, was denn jetzt eigentlich tatsächlich passiert war. Es fanden immer weitere Handlungsstränge zusammen, von denen ich nichts geahnt hatte, aber auf eine äußerst authentische Art und Weise. Nie wirkte es weit hergeholt, es hat immer absolut Sinn ergeben und hat sich logisch in das Geschehen eingefügt. Und am Ende musste ich mir eingestehen. Ja, ich habe mich täuschen lassen. Und damit hatte ich nicht gerechnet. Einige Aspekte haben plötzlich eine ganz andere Rolle gespielt als gedacht und somit konnte mich „The Girl before“ am Ende doch nochmal packen und mitreißen.

Was mir besonders gut gefallen hat, ist das man die Handlung aus zwei Sichtweisen erlebt. Einmal aus der Sicht von Emma, die in diesem Haus gestorben ist und aus der Sicht von Jane, die einige Zeit später einzieht. Abwechselnd erlebt man, wie die beiden Frauen zu diesem Haus kommen und wie sie sich mit der Zeit eingewöhnen. Anfangs sind die Parallelen zwischen Emma und Jane sehr groß und man hat fast das Gefühl, es wird etwas überdramatisiert, wie ähnlich sich die beiden sind. Doch im weiteren Verlauf wird klar, dass beide nicht unterschiedlicher sein könnten. Während Jane sich auf macht, herauszufinden, was mit Emma passiert ist, kann der Leser zeitgleich miterleben, was tatsächlich geschehen ist.

Etwas verwirrend war der Stilwechsel zwischen den einzelnen Kapiteln. In denen aus Emmas Sicht, also aus der Vergangenheit, werden für die Sätze keine Anführungszeichen verwendet. Besonders am Anfang bin ich immer wieder über die Wörter gestolpert und musste den Satz nochmal von vorne lesen. Man gewöhnt sich jedoch ziemlich schnell dran und der gewohnte Lesefluss hat sich bei mir schon nach kurzer Zeit wieder eingestellt. Aus meiner Sicht hätte man diesen Stilwechsel aber auch weglassen können.

fazit

Ein Thriller mit einem solch außergewöhnlichem Thema im Mittelpunkt habe ich so noch nie gelesen. Auch wenn die Handlung am Anfang einige Schwächen und Klischees bedient, holt „The Girl Before“ zum Ende nochmal rasant auf und hat es geschafft mich tatsächlich zu überraschen. JP Delaney hat mich in die Irre geführt, ohne dass ich es gemerkt habe.

Kategorie

 

Vielen Dank an den Penguin Verlag für das Bereitstellen des Rezensionsexemplares.


JP Delaney – The Girl Before

Verlag: Penguin

Erscheinungsdatum: 25.04.17

ISBN: 978-3-328-10099-7

Seiten: 400

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10 Gedanken zu “[Rezension] „The Girl Before“ von JP Delaney

  1. kitsune_miyagi schreibt:

    Hey 🙂 Mir erging es da ähnlich, denn auch ich wurde an der Nase herumgeführt.
    Anfang und Ende fand ich sehr interessant bzw. spannend, allerdings zieht es sich in der Mitte doch sehr. Mit Emmas Erzählungen kam ich am Anfang nicht so ganz zurecht. Die fehlenden Anführungszeichen haben das Lesen doch etwas erschwert.
    Wirst du dir den Film ansehen?

    Gefällt 1 Person

  2. jewi schreibt:

    Hallo Jenny,

    ich habe das Hörbuch dazu gehört und mir ging es ähnlich wie Dir. Ich war am Anfang auch kurz davor, das Hörbuch abzubrechen, weil ich es einfach nur schrecklich fand (u.a. Emmas Verhaltensweisen auf dem Hintergrund, was ihr passiert ist). Mich hat der Schluss dann auch überrascht, aber trotzdem war das Buch in meinen Augen ziemlich mittelmäßig, weil es zu Beginn einfach nur genervt hat… 🙂 Da hilft auch der gute Abschluss nichts dran…

    Viele Grüße,

    Jemima #litnetzwerk

    Gefällt 1 Person

    • Buecherpanda schreibt:

      Ich hab auch stark mit mir gehadert, ob ich es so einkategorisieren soll, aber irgendwie mochte ich es am Ende dann doch und gerade auch, dass immer mehr von Emma aufgedeckt wurde und die Sicht auf sie komplett verändert hat und den Blickwinkel auf Monkford erst 🙂 Aber ich verstehe total, dass es Geschmackssache ist !

      Gefällt 1 Person

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