[Rezension] Dave Eggers – The Circle

“ ‚You shouldn’t have to have eighty-seven different cars.‘ he’d said, later, after his system had overtaken the web and the world.“ S.21

Inhaltsangabe

Mae Holland kann ihr Glück kaum fassen, als sie dank ihrer Freundin Annie einen der begehrtesten Jobs auf der Welt bekommt. Einen Job bei der Circle. Der Internetkonzern hat sich zu einem Monopol aufgearbeitet, indem er große Unternehmen wie Google, Facebook und Co. geschluckt hat und es seinen Nutzern erlaubt durch einen einzigen Account alles im Internet zu vereinen. Der Circle bietet nicht nur seinen Nutzern einen unglaublichen Komfort, sondern fördert auch seine Mitarbeitet in jeder erdenkbaren Hinsicht.

Mae stürzt sich voller Begeisterung in diese neue Welt und lässt sich von der riesigen Community mitziehen. Bis sie auf den mysteriösen Kalden trifft, der dem Circle nicht zu trauen scheint und befürchtet, dass die sogenannten 3 Weisen, die Gründer des Konzerns, einen eigennützigen Plan verfolgen.

„She gave all to them, gave them unmitigated truth, complete transparency, and they gave her their trust, their tidal love“ S.449

Meine Meinung

Mit The Circle spricht Dave Eggers einige wichtige Themen an und verdeutlicht in seinem Roman die vorwiegend negativen Aspekte von Social Media. Dabei ist natürlich zu beachten, dass Social Media hier eine nochmals verschärfte und verstärkte Rolle in der Zukunft spielt und schon beinahe als allseits anerkannte Grundvorraussetzung zu betrachten ist. Ist es heutzutage schon fast unmöglich, an Social Media Kanälen vorbeizukommen, ohne Facebook, Instagram oder Google Plus zu nutzen, ist es in der zukünftigen Gesellschaft, die in The Circle dargestellt wird, schon beinahe verpöhnt sich nicht im Internet einzubringen.

Eggers nutzt dabei gezielt die Naivität seiner Protagonistin aus, die sich voller Vorfreude in ihren neuen Job stürzt und nicht einmal darüber nachdenkt, welche Konsequenzen durch fehlende Anonymisierung und völliger Aufgabe der Privatsphäre entstehen können. Auch wenn Mae mich mehr als einmal fast in den Wahnsinn getrieben hat, finde ich sie als Negativbeispiel äußerst gelungen.

„This is ultimate transparency. No filter. See everything. Always.“ S.69

Mae ist nicht die typische Protagonistin, wie wir sie aus vielen anderen Büchern kennen, sie ist keine Hermine, keine Katniss, die verstanden haben, das etwas falsch läuft und auf ihre eigene Art und Weise gegen das Ungerechte kämpfen. Mae lässt sich voll und ganz auf den Circle ein und möchte den riesigen Konzern dabei unterstützen noch größer und mächtiger zu werden. Sie lässt sich von den Versprechen, was der Circle alles in der Welt verändern könnte, zum besseren führen könnte, komplett überzeugen. Sie hinterfragt die Vorhaben nicht und möchte stattdessen ebenfalls andere Menschen von The Circle überzeugen und reflektiert selbst dann nicht, wenn sie anderen damit maßgeblich schadet.

Individually you don’t know what you’re doing collectively.“ S.261

Schade ist der fehlende Spannungsverlauf. Zieht es sich am Anfang noch gewaltig durch die ersten hundert Seiten, in denen Mae sich erst einmal einarbeitet und ihr Arbeitsplatz sowie die Funktionen von Der Circle erklärt werden, hofft man zumindest, dass danach endlich etwas mehr Handlung vorkommt. Leider ist dies kaum der Fall und trotz insgesamt 500 Seiten hat man am Ende das Gefühl, dass kaum etwas von der Handlung hängen geblieben ist. Auch die vielen Nebencharaktere bleiben insgesamt sehr blass und bieten kaum Tiefe. Es verstärkt ein wenig den Eindruck, dass Der CircleI einer Sekte ähnlich dargestellt wird und die Mitarbeiter nunmal nur noch die leeren Phrasen runterbeten, die ihnen eingeredet werden. Aber auch den Charakteren, die dem Circle kritisch gegenüberstehen fehlte es an Überzeugung und Tiefgang. Eggers verpasst hier die Chance, etwas mehr Spannung in den Roman zu bringen und mehr Konflikte zu konstruiren.

„You and your ilk will live , willingly, joyfully, under constant surveillance, watching each other always, commenting on each other, smiling and frowning, and otherwise doing nothing much else.“ S.370

Fazit

The Circle lebt eindeutig nicht von seiner eher mageren Handlung, punktet dafür aber mit großartigen Denkanstößen und einem vielseitigem, wenn auch eher negativem Blick auf die Zukunft des Internets, der Nutzung von Social Media und immer geringer werdender Anonymität sowie der Ablegung der eigenen Privatsphäre. Auch wenn die Protagonistin Mae kein Sympathieträger ist, ist sie ein Paradebeispiel dafür, wie naiv ein Großteil der Gesellschaft ist und wie schnell man sich dem Mainstream anschließen kann und vergisst, auch mal kritisch auf die Geschehnisse zu blicken.

Kategorie

*Dieses Mal fiel es mir sehr schwer, das Buch in eine Kategorie einzuordnen. Da für mich aber die Handlung doch eher eine kleine Rolle gespielt hat (auch wenn es gute Möglichkeiten gab, etwas mehr Spannung einzubauen), und die Gedanken die The Circle anspricht meiner Meinung nach sehr wichtig sind, habe ich mich für die oben genannte entschieden.


Dave Eggers – The Circle

Verlag: Vintage

Erscheinungsdatum: 22.04.2014

ISBN: 9780345807298

Seiten: 512

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12 Gedanken zu “[Rezension] Dave Eggers – The Circle

  1. Jennifer schreibt:

    Ich habe das Buch noch auf meiner Wunschliste stehen, da ich den Film gerne sehen möchte. Und nach dem Film lese ich das Buch meist nicht mehr, daher will ich wenigstens noch reinlesen, bevor ich ins Kino gehe.
    Interessiert dich der Film nach dem Buch eigentlich oder eher nicht so?
    Du bist ja eher so semi-zufrieden gewesen, wenn ich das richtig herauslese….
    VG die Namensverwandtin 😉

    Gefällt 1 Person

    • Buecherpanda schreibt:

      Doch eigentlich bin ich immer sehr gespannt auf die Verfilmungen! Es ist zwar oft So, dass mir das Buch dann besser gefallen hat, aber ich finde es spannend zu sehen, wie manche Dinge aus Büchern umgesetzt werden. 🙂
      Andersrum finde ich es etwas schwerer. 🤔 wenn ich den Film schon kenne, mag ich das Buch nicht mehr so gerne lesen.

      Gefällt 1 Person

  2. luiseblaettertauf schreibt:

    Leider hat mein Handy meinen Kommentar zu früh abgeschickt. Das Buch interessiert mich auf Grund seiner aktuellen Thematik und Denkanstöße, die dystopische Züge haben. Schade ist, dass es bei deiner Rezension nach einer guten Idee klingt, an deren Umsetzung es aber hapert. Ich schaue mal, da ich es denke trotzdem selbst noch lesen möchte. Auch auf den Film mit Emma Watson und Tom Hanks bin ich gespannt. Willst du ihm als Vergleich noch anschauen?

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    • Buecherpanda schreibt:

      Hallo Luise 😊

      Ich kann dir das Buch trotzdem nur ans Herz legen, die Idee dahinter und die Entwicklung ist trotz allem meiner Meinung nach schön dargestellt, es mangelte leider vor allem an Spannung.

      Den Film möchte ich auf jeden Fall noch sehen, da wir das Buch in unserem Buchclub gelesen haben, werden wir wohl auch alle zusammen gehen. 😊
      Ich bin schon sehr gespannt auf die Umsetzung, vielleicht kann der Film ja etwas mehr dramaturgische Spannung darstellen!

      Liebste Grüße

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  3. Thomas schreibt:

    Danke, dass du das Buch hier nochmal vorstellst. Ich habe es schon vor einiger Zeit gelesen und trotz der vielen wichtigen Themen, die das Buch anspricht, hat mich die Protagonistin und ihre himmelschreiende Naivität irgendwann genervt. Trotzdem ein wichtiges Buch um nötige Denkanstöße zu liefern.
    Viele Grüße
    Thomas (#litnetzwerk)

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  4. Silvia schreibt:

    Ich fand das Buch auch spannend, wenn ich auch zugebe, dass der Spannungsbogen ncht bis zum Ende hochgehalten wird. Und das Ende fand ich irgendwie… unschön aber auch konsequent.
    Viele Grüße
    Silvia #litnetzwerk

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