[Rezension] Lilly Lindner – Splitterfasernackt

Inhaltsangabe

Lilly ist 6 Jahre alt, als ihr Nachbar sie das erste Mal vergewaltigt. Ihre Eltern kümmern sich nicht um sie und Freunde hat sie kaum. Lilly fängt an sich zu schneiden und im jungen Mädchenalter werden Ana (anorexia nervosa) und Mia (bulimia nervosa) ihre besten Freundinnen und begleiten sie ihr restliches Leben. Als junge Frau beschließt Lilly in einem Bordell zu arbeiten. Wenn sie schon keinen Sex mehr aus Liebe haben kann, warum dann nicht für Geld?

Meine Meinung

Ich weiß um ehrlich zu sein, gar nicht wie ich anfangen soll. Ich schiebe diese Rezension auch schon ein wenig vor mir her, da ich einfach nicht genau wusste, wie ich in Worte fassen soll, was ich gedacht habe, während ich Lilly durch ihr Leben begleitet habe. Aber trotzdem will ich es unbedingt versuchen! Also verzeiht mir, wenn es diesmal etwas unstrukturiert wirkt, aber ich glaube, hier muss ich einfach mal drauf los tippen, um meine Gedanken los zuwerden.

„Warum sollte ich je wieder Sex haben, ohne dafür bezahlt zu werden? Aus Liebe? Nein danke.“ S.9

Ich kann nicht anders, als immer wieder zu denken, was für eine starke Frau Lilly ist. Das sie es geschafft hat, sich getraut hat ihr Leben in schriftliche Worte zu fassen und mit uns zu teilen. Dass sie ihr Schweigen gebrochen hat. Ich maße es mir nicht an, auch nur zu versuchen zu verstehen, wie Lilly sich gefühlt haben muss, während sie diese Worte getippt hat. Vielleicht war es befreiend? Vielleicht war es aufrüttelnd und nervenzerreißend.

„Denn Nutte im Lebenslauf sieht auch durchgestrichen noch ziemlich scheiße aus. Aber wer weiß – wenn man es direkt hinter Vergewaltigung auflistet, fällt es eventuell gar nicht so sehr auf.“ S.118

Mehr als einmal sind mir beim Lesen die Tränen gekommen. Ich habe es immer nur geschafft, kurze Abschnitte, wenige Kapitel zu lesen, bis ich das Buch wieder zur Seite legen musste. Jede Seite hat mich aufs neue schockiert, mich sprachlos werden lassen. Trotzdem wollte – musste – ich weiterlesen. Ich hatte das Gefühl, ich kann sie jetzt nicht einfach mittendrin im Stich lassen. Ich wollte unbedingt wissen, wie und vor allem ob sie es geschafft hat, ihre Vergangenheit hinter sich zulassen. Aber ich glaube, niemand kann seine Vergangenheit je ganz hinter sich lassen.

„Ich bin verloren – und selbst wenn er mich auf ewig halten würde, es wäre trotzdem nie genug.“ S.158

Lillys Worte haben mich tief berührt. Manchmal, ganz kurz, könnte man fast glauben, man liest einen erfundenen Roman. Durch ihren Schreibstil vermittelt sie einem das Gefühl, als wäre das alles gar nicht so real. Ihre Sprache ist wortgewaltig und bildhaft und bleibt dabei unglaublich emotional. Sie beschönigt nicht, was passiert ist. Und dann wird einem mit einem Mal wieder bewusst, dass es sich um eine Autobiographie handelt. Eine wahre Begebenheit. Ja, sie wurde als Kind immer wieder missbraucht. Sie ist magersüchtig geworden und hat sich die Arme aufgeschlitzt. Sie ist eine Prostituirte geworden. Mehr als einmal habe ich mir gewünscht, ihr irgendwie helfen zu können.

„Aber wer glaubt, dass Liebe ein Spiel für Gewinner ist, der hat wahrscheinlich sowieso längst verloren.“ S. 236

Fazit

Mir fällt es schwer, ein tatsächliches Fazit zu ziehen. Kann man eine Autobiographie denn wirklich bewerten? Lilly Lindner erzählt ihre Vergangenheit auf eine äußerst mitreißende und emotionale Art und Weise. Dieses Buch ist keinesfalls für seichte Gemüter und wenn ihr nicht damit umgehen könnt, wie schlimm das Leben manchmal sein kann, solltet ihr dieses Buch lieber nicht lesen. Ich für meinen Teil bewundere Lilly für ihren Mut und ihre Kraft und wünsche ihr nur das Beste.

Kategorie


Lilly Lindner – Splitterfasernackt

Verlag: Knaur

Erscheinungsdatum: 01.07.2013

ISBN: 978-3-426-78488-4

Seiten: 400

Preis: Taschenbuch 9,99€

 

[Kurzrezension] Amie Kaufman & Meagan Spooner – These Broken Stars

Hällochen ihr Lieben ♥

Heute gibt es mal eine Kurzrezension für euch. Kurzrezensionen führe ich hier ein, um euch einfach mal eben auf die schnelle meine Meinung zu einem gelesenem Buch darzustellen. Da mir häufig die Zeit fehlt, jedes Buch in voller Länge vorzustellen, wollte ich es mal damit ausprobieren.

Worauf ich dabei genau eingehe, werde ich dem jeweiligen Buch anpassen, also kann ich dazu jetzt gar nichts genaues sagen. Lasst euch überraschen!


Kurz zum Inhalt

Tarver, der als junger Kriegsheld gefeiert wird und aus einer der untersten Schichten kommt, trifft an Board der Icarus auf die wunderschöne Lilac LaRoux. Lilacs Vater ist der mächtigste und reichste Mann des ganzen Universums und auch der Besitzer der Icarus, dem größtem Weiterlesen

[Rezension] Dave Eggers – The Circle

“ ‚You shouldn’t have to have eighty-seven different cars.‘ he’d said, later, after his system had overtaken the web and the world.“ S.21

Inhaltsangabe

Mae Holland kann ihr Glück kaum fassen, als sie dank ihrer Freundin Annie einen der begehrtesten Jobs auf der Welt bekommt. Einen Job bei der Circle. Der Internetkonzern hat sich zu einem Monopol aufgearbeitet, indem er große Unternehmen wie Google, Facebook und Co. geschluckt hat und es seinen Nutzern erlaubt durch einen einzigen Account alles im Internet zu vereinen. Der Circle bietet nicht nur seinen Nutzern einen unglaublichen Komfort, sondern fördert auch seine Mitarbeitet in jeder erdenkbaren Hinsicht.

Weiterlesen

[Rezension] „Good as Gone“ von Amy Gentry

Inhaltsangabe

Statistisch gesehen sind die ersten drei Stunden nach der Entführung die ausschlaggebendsten. Werden in dieser Zeit keine konkreten Hinweise gefunden, ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass man das Kind nicht mehr findet. Acht Jahre nach Julies Verschwinden steht plötzlich eine junge Frau vor Annas und Toms Haus. Anna scheint ihre verloren geglaubte Tochter wieder gefunden zu haben, doch nach und nach stellen sich immer mehr Zweifel ein. Ist diese Frau wirklich Julie? Oder bloß eine Hochstaplerin?

Meine Meinung

Trotz anfänglicher Startschwierigkeiten konnte mich „Good as Gone“ zum Schluss für sich gewinnen. Anfangs fiel es mir schwer, mich in die Geschichte einzufinden – Anna ist leider einfach kein Sympathieträger. Ich schaffte es einfach nicht, Weiterlesen

[Rezension] „Fuchsteufelsstill“ von Niah Finnik

Ein Roman, den ich erstmal so gar nicht auf den Schirm hatte, der mir dann beim #litnetzwerk aufgefallen ist und der mich von der ersten Seite an für sich gewonnen hat. Mit viel Charme und einer Prise Humor hat mich „Fuchsteufelsstill“ begeistert und wird mich wahrscheinlich so schnell nicht mehr loslassen.


 Inhaltsangabe

Wir begleiten Juli, die 27-Jährige Autistin zu ihren ersten Tagen auf der psychatrischen Station. Nach ihrem gescheitertem Suizidversuch soll sie sich dort mit ihren Ängsten und Sorgen auseinandersetzen. Juli fällt es schwer, mit Gefühlen umzugehen, am liebsten erklärt sie sich die Welt mit Formeln und Zahlen, doch vieles bleibt für sie unerklärbar. Weiterlesen